Uncharted – von der Schwierigkeit des Analogsticks
Für die Playstation 3 gibt es einen Action-Adventure-Helden, der Lara Croft alt aussehen lässt. Nathan Drake, der Held in Naughty Dogs Uncharted: Drakes Schicksal, ist der neue Indiana Jones. Und dies ist sogar nicht übertrieben, denn einer der Gamedesigner, Richard Lemarchan, hat auf der 2008er Game Developers Conference zugegeben, dass Uncharted Anleihen sowohl bei Doc Savage und Tim & Struppi als auch bei Indiana Jones genommen hat (vgl. IGN, engl.).
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Naughty Dog, die Programmierschmiede von Uncharted dürfte Playstation-Spielern vor allem wegen der Plattformspiele Crash Bandicoot bekannt sein (vgl. IGN, engl.). Nun möchte ich nicht schon wieder eine Reise in die Geschichte unternehmen (vgl. Artikel über Wings of Fury-Verwertungskette), sondern von meiner inneren Zerrissenheit bei Uncharted berichten. Das Spiel ist, wie es im Video-Review von IGN richtig angegeben wird, eine durchaus akzeptable Konkurrenz für Hollywood. Die Atmosphäre ist beängstigend real und die Story ist alles andere als flach. Ein zweiter Teil, dessen Erscheinen nicht nur ich entgegensehe, dürfte wohl ziemlich gut ankommen.
Doch konkret zu meiner Diskrepanz: Ich geb’s ja zu, ich bin nicht der begnadetste Computerspieler vor dem Herrn – vor allem in den letzten 5 Jahren habe ich eigentlich kaum mehr gespielt. Doch die fleischlose Zeit hat ein Ende, und für die Zukunft hab ich mir selbst versprechen müssen, keine Enthaltsamkeit mehr üben zu wollen. Drakes Schicksal, das ich durchweg in englischer Sprache genieße, sollte mich vor allem mit der gerühmten Atmosphäre in seinen Bann ziehen. Das tut es ohne Zweifel. Ich bin gebannt von dem Spiel und widme ihm in den letzten Tagen mehr Zeit als mir lieb sein kann.
Ich habe allerdings das Gefühl, und darin bestätigt mich dann sogar die Aussage eines Freundes, dass Uncharted ein wenig zu schwer (für mich?) ist. Den Schwierigkeitsgrad kann man einstellen, wie bei so vielen Computer- und Videospielen. Einzig nützt es mir wenig, dass ich Uncharted im leichtesten Schwierigkeitsgrad zu spielen scheine. Ich sage “scheinen”, weil ich mitunter, meine leicht paranoiden Züge gestattend, das Gefühl habe, als wäre ein Bug dafür verantwortlich, dass “mir” (und nur mir?) das Spiel schwieriger gemacht wird, als es eigentlich der Fall sein dürfte.
Die andere Erklärung wäre etwas weniger subtil. Ich bin einfach zu deppert. Und doch geht es. Ich hatte an einer Stelle schon Mal einen Hänger, musste mich immer und immer wieder ins Getümmel werfen. Ich geb’s ja zu, dass ich meinen Sinn für’s Taktieren schon wieder abgelegt hatte, über die Jahre. Ich muss erst wieder einen Blick entwerfen für Situationen, in denen es zur Sache geht. Analytisches Denken nennt man so etwas auch. Aber bei all der Selbstkritik bleibt dennoch der vage Verdacht, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.
Warum? Wieso? – Nun, ich bin im Spiel schon eine Weile fortgeschritten. Doch sind besonders die Schussszenen ein Problem für mich. In meiner derzeitigen Situation im Spiel, werde ich von “unliebsamen Besuchern” heimgesucht just als ich einen Generator wieder angeworfen habe, um meiner Weggefährtin Elena zu ermöglichen, den Lastenaufzug zu nehmen. Was sich modern anhört, spielt übrigens in Ruinen, die eher ins Elisabethanische Zeitalter gehören und davor. Bestimmt liegt es nur an meiner Konzentrationsfähigkeit nach zu langem Spielen, dass ich nicht weiterkomme im Augenblick. Doch es ist nicht das erste Mal im Spiel, dass ich unheimlich viele Anläufe benötige. Wenn es um Reaktionsspielchen geht und ich Plattformen überqueren muss, kann ich noch einsehen, dass meine Fingerfertigkeit dazu führt, dass ich den Sprung nicht richtig ansetze und abstürze, oder neben das Seil greife u. v. m.
Wenn mir aber nach dem Leben getrachtet wird, und ich keine andere Wahl habe, als mich zu verteidigen, dann wird es zunehmden schwieriger. Nathan Drake ist in “meinen Händen” schon einige Tode gestorben. Was mich besonders mitnimmt, ist die Tatsache, dass ich wohl nicht der einzige bin, dem man die Schuld dafür ankreiden könnte. Denn es ist wohl so, dass mir gerade in der jetzigen Situation wieder, viel zu viele Gegner für die Flinte laufen. Und da ist es, so der O-Ton meines Freundes, bestimmt ein Pain-in-the-A.. wenn man das Zielen mit dem Analogstick steuert. Er wünschte sich lieber eine Steuerung mit Tastatur und Maus in solchen Waffenwechseln. Die Zielgenauigkeit sei im Gegensatz zum Analogstick deutlich größer. Natürlich weiß ich das selbst. Und richtig, ich werde von fehlgeleiteten Experimenten, die mich zu Hauf angreifen, leider bislang immer ins Nirvana befördert. Ich habe noch keine Taktik entwickeln können, dem zu entgehen, so gerne ich es eben wünschte.
Über das Spiel habe ich das Zielen mit dem Analogstick natürlich verbessert, doch es kommt in der vertrackten Lage, in der Nathan gerade steckt, nicht so sehr darauf an, dass man genügend Zielwasser getankt hat, um sich damit den Mund zu spülen. Vielmehr ist die Zahl der Gegner – dafür, dass man sich im einfachen Modus befindet – in meinen Augen zu hoch bemessen. In der Komplettlösung heißt es an der Stelle lediglich, dass man die Gegner ausschalten muss. Das fällt mir aber gerade deswegen so schwer, weil es so viele sind. Wenn ich morgen wieder mit mehr Konzentration an die Sache herangehen kann, dann wird sich hoffentlich wieder ein Erfolgserlebnis einstellen. Jedoch bleibt der zerrissene Eindruck, wie ich das Spiel insgesamt bewerten soll.
Ich möchte so gerne davon schwärmen, und doch lässt mich das Spiel zweifeln. Immerhin scheint es zu ignorieren, dass ich den einfachen Modus gewählt habe. Naughty Dog muss sich fragen lassen, ob denn wirklich so viele (fehlgeschlagene) medizinische Experimente auf ein Mal notwendig sind, um den Spieler, der es möglichst einfach wünscht, auch bei der Stange zu halten. Ich werde dran bleiben, so viel ist sicher.
