Wir brauchen mehr Glamour
Und eigentlich braucht nur die Pop-Welt mehr Glamour. Diese Aussage stammt von “Strify” dem Sänger einer neuen Popband, die Tokio Hotel Konkurrenz machen möchte. Es ist erstaunlich, wie bewusst ein 18-Jähriger eine solche Aussage trifft.
“Cinema Bizarre” heißen die fünf Teenager, die rockige Popmusik machen und sich in ihrem Aussehen an Mangafiguren orientieren. Ein wenig fühlt man sich an Kiss erinnert – aber eben nur ein wenig. Zwar schreibt unter anderem die Bild-Zeitung, dass vor allem die Frauen von Morgen von der Teenager-Band angezogen werden. Doch wenn wir ehrlich sind, dann ist es ein offenes Geheimnis, dass bislang eher Homosexuelle vor allem auf derart androgyne Männertypen abfuhren. Da ich in diesem Semester ein literatursoziologisches Seminar besuchte, in dem wir unter anderem das Männlichkeitsideal in Kafkas Werken besprachen und auch einen geschichtlichen Abriss im Wandel der Vorstellung von Männlichkeit besprachen, kam mir die Diskussion im Rahmen des Seminars wieder in den Sinn.
Allesamt, wie wir dort saßen, hatten kaum das Gefühl, dass sich am Männlichkeitsideal in unserer Zeit etwas verändert hätte. Gleichwie, wenn ich eben jetzt über “Cinema Bizarre” gestolpert bin und mir dazu noch Tokio Hotel in den Sinn kam – es wird offensichtlich, dass in Teilen das Männlichkeitsideal durch solche Vorbilder eine Umwälzung erfährt. Nicht Take That oder die Backstreet Boys – keine geleckten Schönlinge sind es, die zudem besonders durchtrainiert wirken müssen, sondern fragil wirkende Gestalten, die eher mit einer Art Sensibilität und Melancholie die Frauen von Morgen in ihren Bann ziehen.

Gut, dass ich von gestern bin … Ich hab aber damals ja schon nicht verstanden, was an Ville Valo so toll war – da standen auch alle Mädels auf den femininen Typ.