Ich zahle, du zitierst
Die Blogbar ist immer wieder gut für moralisch-idealistische Artikel. Ich selbst bin durchaus nicht unidealistisch. Doch bilde ich mir ein, in der Lage zu sein, meine eigene Position nicht mit der von anderen zu vermischen. Diese Seite hier sucht den Diskurs, und drum versuche ich immer wieder, andere Seiten zu beleuchten, selbst wenn sie manchmal nicht meiner eigenen Meinung entsprechen.
Microsoft, so liest man aus der Feder des Don, kauft etablierte Medienpersönlichkeiten. Diese werden im Rahmen einer Kampagne dazu eingespannt, einen Werbeslogan von Microsoft in deren eigene, vielgelesene, Blogs oder Webseiten zu zitieren, bald schon, als würde er aus ihrem eigenen Munde stammen. Das findet der Don, das finden allerdings auch einige Amerikaner unmoralisch. Zumindest erhalten wir bei Valleywag (Microsoft pays star writers to recite slogan – engl.) vorgehalten, was einer der dortigen Autoren davon hält. Da er Don Alphonsos Meinung ausdrückt, ist es dessen gutes Recht, auf derlei Artikel in der Blogbar zu verweisen.
Es ist jedoch erstaunlich, dass Nick Denton offenbar ähnliche diskursive Praktiken an den Tag legt, wie die blogosphärische Kunstfigur hierzulande. Denton schreibt unter anderem:
I can’t blame Battelle’s team for latching on to this idea. The campaign is slick; and Microsoft is a deep-pocketed client. But it’s disappointing that so many of his most reputable writers have signed on as spokespeople. One would have thought that tech opinion-leaders as influential as Om Malik and Paul Kedrosky would ration their credibility more carefully, and reserve it for companies and products for which they felt real enthusiasm. (Valleywag)
Er könne also die Urheber dieser Aktion nicht verteufeln, allerdings hätte er gedacht, dass Meinungsführer aus dem Technologiesektor mit ihrer Glaubwürdigkeit etwas umsichtiger umspringen würden. Sie hätten diese für Firmen einsetzen sollen, für die sie richtigen Enthusiasmus empfänden. – Hier urteilt Denton offenbar über andere (hinweg). Ist es vollkommen ausgeschlossen, dass die z. B. erwähnten Om Malik und Paul Kedrosky nicht auch für Microsoft und deren Produkte so etwas wie Sympathie empfinden können? Muss das Stigma, das Denton Microsoft angedeiht von anderen geteilt werden?! Es gibt nicht nur MS-Hasser, sondern auch Leute, die die Produkte und die Innovationsfreudigkeit aber auch das Engagement hinter den Kulissen von beispielsweise MS-Gründer Bill Gates durchaus positiv zu bewerten wissen. Warum also mit der Moralkeule schwingen, oder derlei Behauptungen aufstellen, wenn man sie nicht wirklich überprüfen kann?! Letzteres ist übrigens eine Prämisse der wissenschaftlichen Arbeitsweise. Ergebnisse müssen reproduzierbar sein, sonst können sie nicht anerkannt werden.
In der zitierten Darstellung wirkt es fast schon fadenscheinig, so zu argumentieren. Viel eher hätte man selbst glaubwürdig wirken können, wenn man den Lesern vorgeführt hätte, an welcher Stelle Personen wie Malik und Kedrosky sich über ihren Anti-Enthusiasmus gegenüber Microsoft bereits ausgelassen hätten. Da dies ausbleibt, wirkt dies Statement unabgeschlossen. Wir sind nicht überzeugt, wir können es nicht sein. Wenn man tatsächlich etwas zur Meinungsbildung beitragen möchte, warum zögert man, oder unterlässt es, fundiert zu argumentieren?!
