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An deinen Händen klebt Blut, …

… an meinen auch. Wer hätte gedacht, dass es auf der Re: Publica auch wissenschaftlich zugehen würde und gesellschaftlich relevante Themen angesprochen werden würden, die sich jenseit einer autarken Web 2.0-Sphäre bewegen. Bei Jörg-Olaf gefunden und bei Heise überflogen habe ich einen Hinweis auf eine wissenschaftliche Studie. Deren Ergebnisse wurden auf der Re: Publica vorgetragen. Es geht um Nachhaltigkeit in der Produktion komplexer Elektronikgeräte, hier am Beispiel von Notebooks. Die Studie zeigt, dass die Arbeitsbedingungen in vielen Bereichen der Fertigung für Notebooks unzureichend sind, und das ist noch gelinde formuliert.

Der eine oder andere wird sich noch erinnern, dass Teppiche in Verruf kamen, als es hieß, sie wären von Kinderhänden geknüpft. Wir Europäer lehnen Kinderarbeit ab, nachdem wir uns in der vor- und hochindustriellen Zeit selbst nicht zu schade waren, davon Gebrauch zu machen. Zuletzt gab es den Status der Kindesarbeit zu Kriegszeiten im 2ten Weltkrieg, da man Kinder als Kannonenfutter missbrauchte. Seitdem kamen alternative Produkte immer mehr in Mode. Heute liegen Laminat und PVC-Böden in Wohnungen herum und produzieren Schweldüfte, die vielleicht in etlichen Jahren einmal als Krebserregend enttarnt werden. Die auf der Re: publica präsentierte Studie macht die Chinesen zum Sündenbock, und, wie es bei Heise heißt, sagte ein Teilnehmer der Konferenz, dass an unseren Händen folgerichtig Blut klebt. Jeder, der einen Teppich und ein Notebook hat, der muss sich unter Umständen sehr schuldig fühlen.

Ob wir in der industrialisierten Welt allerdings recht bald dazu kommen können, das Bewusstsein in diesen Dingen zu verändern, bleibt mehr als fraglich. Denn, der Mensch hat ein äußerst widriges Sozialverhalten. Er wird gelenkt von eigenen, egoistischen Strategien und muss gleichzeitig sehen, wo er innerhalb der Gruppe bleibt. Moral ist willkürlich, um nicht zu sagen dogmatisch willkürlich. Die Grundfeste unserer Morallehre stammen ab von der christlichen Glaubenslehre, wenn man den Ausführungen Nietzsches folgen mag. Immerhin, so die Vortragenden, erhöht sich dank zunehmender Verkaufszahlen von Notebooks der Druck auf die Hersteller, sich auch um die sozialen Aspekte der Produktion zu kümmern. Es hat verhältnismäßig lange gedauert, bis diese Dinge zutage gefördert wurden. Oder irre ich, und es hat sogar recht schnell funktioniert, diese Zusammenhänge aufzudecken?! Ich bin nicht gar so im Bilde, bei welchen Produkten und welcher Form von Arbeit nicht immer schon Ausbeutung betrieben wurde, und wann diese, historisch-chronologisch ausgewertet, aufgetreten sind.

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