Wenn das klappt…
… ist es mir auch egal, dass die BILD-Zeitung darüber berichtet hat, und jemand sich damit sein Geld verdienen will. Ein Getränkehersteller möchte Tokio-Hotel dafür gewinnen, Pate zu sein für ein Produkt, das vor allem die Klientel der Tokio-Hotel-Fans befriedigen soll. Ein Durstlöscher aus Traubensaft. Ohne dass die Damen und Herren es wüssten, hätten sie vermittels ihrer Marketingstrategie dafür gesorgt, dass ein Großteil der nachwachsenden Kader fortan weniger Gefahr laufen würde, sich dem Alkohol zuzuwenden. Meine Stimme hat dieses Projekt auf jeden Fall.

Schwachsinn….wie so vieles auf dieser Seite.
Und wo wir grade dabei sind – wenn du schon immer schön fleißig dagegen bist, wenn jemand einen (Mehr-)Wert schafft und damit Geld verdient, würde mich mal interessieren, woher denn das Geld stammt, dass du so verkonsumierst?
Schonmal drüber gedacht? Nein? Nun, warum überrascht mich das nicht…
Letzteres mag ein Hirngespinst von dir sein, anders kann ich mir das nicht erklären. Das Geld in meiner Familie stammt aus ehrlicher, harter Arbeit, die nicht nach Heuschreckenmentalität verdient wird. Es klappt nämlich auch ohne.
Außerdem finde ich es nicht schwachsinnig, einen (Mehr-)Wert zu schaffen. Das hast du irgendwie nicht richtig aufgefasst. Solltest du also noch Mal überdenken. Wenn du wie ich, in einer Drogen- und Suchtklinik gearbeitet hast, und dort Leute betreut hast, die “jünger” sind als du selbst, würdest du vielleicht anders darüber reden. Anders als du, hab ich nämlich nicht das Gefühl, dass man auf solche Leute per se verzichten kann, bzw. dass sie alles immer nur selbst Schuld sind. Du solltest dich vielleicht schlau machen, a) wie viele Kinder in Armut leben b) wie es um Chancengleichheit in unserem tollen *hust* Land bestellt ist und c) wie diese Verhältnisse und noch weitere Faktoren den Abusus von Drogen schon bei den Jüngsten befördern. Für ganze Kader waren Alcopops der Renner und manche wurden darüber in die Sucht geführt. Die Grenzen sind fließend. Da wir von dem Potenzial von Tokio Hotel wissen, wie viele Anhänger sie haben, finde ich es keine schlechte Sache. Du darfst gerne Dinge als Schwachsinn bezeichnen, wenn sie’s sind, aber nur, weil du kein Interesse für gesellschaftliche Ausgewogenheit hast, ist mein Impetus nicht Blödsinn.
Gesellschafliche Ausgewogenheit…..ist ungerecht.
In jeder Gesellschaft leben unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Einige können mehr leisten, andere weniger. Das ist vollkommen normal.
Wer aber will, dass es allen gleich geht, der bestraft diejenigen, die mehr leisten können als der Durchschnitt. Was dazu fürht, das diese Menschen dann leisten, als sie könnten, denn ihre Mehrleistung fällt ja der Angleichung zum Opfer.
Was wiederum dazu führt, dass es der Gesamtgesellschaft schelchter geht, denn die, die viel leisten können, haben keinen Anreiz das zu tun, und die die wenig leisten können, lehnen sich ebenfalls zurück, denn sie wissen, dass ihnen sowieso geholfen wird, egal wieviel sie für ihr Auskommen tun. Alles aus Gründen der gesellschaftlichen Ausgewogenheit.
Und ja – wer sich damals mit 16 das Hirn mit Alcopops weggesoffen hat, ist in meinen Augen selbst schuld. Niemand hat irgendwen dazu gezwungen und die Folgen von Alkohol sind sie Menschengedenken allseits bekannt. Wer sich dennoch von “coolen Sprüchen” und anderen Dingen wider besseren Wissens dazu hat hinreißen lassen – tut mir leid! Aber warum sollte ich dabei helfen, dass offensichtliche Dummheit noch belohnt wird, bzw ohne Konsequenzen bleibt? Offensichtliche Intelligenz wird in diesem Land schließlich auch nicht gebührend honoriert.
Das sehe ich genauso wie du. Natürlich will ich deshalb auch nicht alle über einen Kamm scheren. Ich weiß nicht wie oft und wo überall, Readers Editon, Blogbar, etc. ich das schon mal erwähnte habe, es geht nicht darum, dass manche Kaviar haben und andere Leberwurst. Denn es soll Leute geben, die mit Leberwurst zufrieden sind, aber wenn man ihnen nicht mal die gönnen mag, dann habe ich kein Mitleid für Bonzen, die auf lange Sicht den Sozialneid selbst produziert haben. Ihnen standen die Mittel zur Verfügung, es nicht so weit kommen zu lassen. Wenn man als Unternehmer im Blick hat, dass es nicht nur ums schnelle Geld geht, damit man selbst ein schönes Leben hat, wird auch die Gesellschaft nicht aus dem Ruder laufen. Wenn doch, dann wird es so sein, wie überall auf der Welt, da die Verhältnisse total unausgewogen sind. Dort herrscht gewalt. Wir müssen gar nicht weit weg gehen, sondern können uns ansehen, was in Frankreich passierte… als die Autos brannten. Als derjenige, dem es besser geht und der mehr Möglichkeiten hat, hat man in meinen Augen latent auch immer die Verantwortung. Wenn man Leuten eine Chance und eine Perspektive bietet, und sie eine Möglichkeit der Partizipation haben, dann wird es nicht so weit kommen.
Wer ist denn deines Erachtens offensichtlich intelligent? *G*
Nun, schön dass ich dich von der gesellschaftlichen Ausgewogenheit so schnell abbringen konnte.
Intelligenz – ist leider schwierig zu messen. Ich würde es an folgenden Dingen festmachen:
- jemand, der heute daran glaubt, dass es ihm morgen besser gehen wird und sich dafür anstrengt, ist intelligent.
- jemand, der die eigene arbeit vor das eigene vergnügen stellt, ist intelligent
- jemand, der nicht gehypten phänomenen wie tokio hotel u.ä. nachläuft, sondern anstatt dessen selbst musiziert und spaß dabei hat, ist intelligent
- jemand, der seine umwelt kritisch hinterfragt, eine eigene, nicht-vorgekaute meinung hat und diese offen vertritt ist intelligent
- jemand, der denkt bevor er spricht, ist intelligent.
- jemand, der in die welt inausblickt und seinen tellerrand beständig erweitert, ist intelligent
- jemand, der begriffen hat, dass man für ein schönes leben selbst arbeiten muss, ist intelligent
- jemand, der keiner ideologie auf den leim geht, ist intelligent
- usw.
und schließlich kann jemand, der so früh am morgen solche diskussionen fürht auch nich gerade un-intelligent sein
Also, ich hab mit Ausgewogenheit wohl eher das falsche Wort verwendet. Mea Culpa. Was ich meinte ist, dass es einen Punkt gibt, an dem eine Gesellschaft aus den Fugen gerät. Das ist in Dtlnd. “noch” nicht der Fall, zumal es auf dem Arbeitslosenmarkt wieder besser aussieht. Aber man kann eine Gesellschaft auch lenken. Leute, die in Positionen sitzen, da sie Macht ausüben können, die haben durchaus viele Mittel und Wege, das zu tun. Und es rächt sich meiner Meinung nach irgendwann, wenn die Leute nur auf den kurzfristigen Erfolg aus sind.
Nun, viele von den Dingen, die du oben ansprichst sind recht plausibel, bei manchen kann ich auch bedenkenlos zustimmen. Du selbst sagst aber ja, dass nicht alle mit gleichem Talent gesegnet sind, und so können eben manche nicht selbst musizieren. By the way… gänzlich auf die Spitze getrieben würde man dein Argument dazu verwenden können, dass jeder am Ende nur noch selbst Musik macht, aber keiner mehr was vom anderen hören mag. Weil Hypes gibt’s unheimlich viele… was ist ein Hype und was ist keiner?! Auch da sind die Grenzen fließend und wer will vor allen Dingen entscheiden, was keiner ist? Es gibt äußerst “alternative” Musikgruppen, bei denen am Ende aber diese Alternativität auch beinahe schon Programm ist. Da muss man dann die Bonuspunkte für den Alternativismus bald schon wieder abziehen, weil sie gerade dadurch versuchen einen “Gegen-Hype” oder so etwas darzustellen. Wie heißt die Gruppe noch… puh… hab ich letztes Jahr von einer Freundin vorgestellt bekommen, sogar nen Musikvideo auf DVD gesehen… und na ja… die Musik soll auch ne Aussage haben, aber selbst die Freundin, die die Musik toll findet, ist so skeptisch zu sagen, dass man an der Aussagekraft trotzdem zweifeln kann, und nicht nur Strategie dahinter zu erkennen, um gerade jene aufzusammeln, die eben der Mainstream nicht mehr bedient, oder die auf der Suche nach was anderem sind.
Weil wo führt das dann hin? Bzw. man kann dann ne Diskussion um Kunst führen. Ob Kunst käuflich ist, ob man für die Dinge Geld bekommen sollte, oder Kunst sich nicht selbst genug sein soll. However, sehr interessante Diskussionspunkte, die du da in den Raum geworfen hast.
Ehm… wenn man sein Glück also selbst in die Hand nimmt, produziert man nicht zwangsläufig auch eine eigene Form von Ideologie? Wenn man die Meinungen hinterfragt, aber trotzdem irgendeine Position vertritt, vielleicht auf vehement vertritt, ist man dann nicht bereits der eigenen Ideologie aufgesessen? Was nicht heißen soll, dass mich das stören würde. Weil wenn man NUR Relativismus betreibt, dreht man sich im Kreis, und hat am Ende gar keine Meinung, und mir persönlich ist es lieber, die Leute haben eine Meinung. Anders kann man z. B. auch keine Kompromisse eingehen, wenn man nicht weiß, wo man sich selbst auf der Skala befindet, kann man auch nicht einschätzen, wohin der Weg dann gehen soll. Ich hab das zuletzt leider schmerzhaft erlebt, und eine sehr persönliche Enttäuschung davon getragen, weil ich immer versuchte einen Kompromiss einzugehen mit einer Person. Die allerdings hat immer nur Positionen von anderen vertreten und deshalb hat man mit ihr auch keinen Dialog finden können, alle Argumente waren zum Scheitern verdammt und verstanden hat man den Zirkus am Ende sowieso nicht.
hmmm, die antworten werden immer länger, mal sehen, ob ich da irgendwie entgegenwirken kann.
ad “Gesellschaft aus den Fugen”
Du kritisierst zu recht eine kurzfristorientierte Handlungsweise von z.B. den Wirtschaftseliten. Diese ist zu verurteilen, auch weil sie gerade langfristig wertzerstörend denn wertschaffend wirkt. Meiner Meinung nach ist dieses Problem weitgehend erkannt und das “Shareholder-Value-Konzept” verabschiedet sich stetig aus den Überlegungen der entscheidenden Akteure. Natürlich gibt es da Nachwehen und Spätzünder, aber das ist ja bei jedem Trend so. Zumindest an den Universitäten rücken andere Konzepte in den Mittelpunkt der Betrachtungen. Aber das würde hier echt zu weit führen.
Was ich dazu aber auch unbedingt sage möchte: eine Gesellschaft kann von oben und von unten aus den fugen gebracht werden. Und da sehe ich derzeit die größere Gefahr, die sich vor allem in stark mittelmäßiger, status-quo-orientierter Politik und in gesellschaftlich genrell akzeptierter Zufiredenheit mit dem Mittelmaß in fast allen belangen äußert (einzig im Sport werden von Deutschen immer Spitzenleistungen eingefordert)
ad “Kunst, Musik und Hypes”
Du hast das Argument zu sehr auf die Spitze getrieben. 1. glaube ich, dass jeder Mensch dazu in der Lage ist Musik zu machen, und sei es in einem Chor zu singen.
2. Wer selbst mit einigem Ernst musiziert bzw. singt, weiß, welche Arbeit hinter einem gut klingenden und nicht nachbearbeiteten Stück steckt und er kann aus eigener Erfahrung besser einschätzen, welches Musikangebot mit Arbeit verbunden war und welches nicht. Kurz – man bekommt ein ganz eigenes Gefühl für “gut” und “schlecht”.
Wer selber musiziert, bekommt nun nicht automatisch weniger Lust anderes zu hören, eher im Gegenteil. Von daher ist deine Angst unbegründet. Auch finde ich es okay,wenn jemand mit seiner Kunst, mit der er ja einen Wert schafft, Geld verdient.
Was ich eigentlich kritisiere, ist der Hype. Ein Hype ist für mich eine durch andere willentlich hervorgerufene künstliche Begeisterung der Massen für eine bestimmte Sache. Sprich – es war von Anfang an geplant, eine bestimmte Band durch massive Medienauftritte, Skandalartikel, Insiderartikel, Cross-Selling und andere Marketingstrategien bekannt zu machen, egal, ob sie gut ist, ob ihre Musik eine Aussage hat usw. Damit kritisiere ich nicht den Geschmack des Mainstreams. Ich kritisiere, dass der Mainstream erst industriell geschaffen wird und nicht selbst aus sich heraus entsteht. Dass die meisten Menschen nicht mehr in die Lage gebracht werden, selbst zu entscheiden, ob etwas gut oder schelcht ist, sondern dass ihren die entscheidung abgenommen wird und ein fertiges Produkt ohne Entwickelungsmöglichkeiten vor die Nase gesetzt wird. Das ist in der Musik schon weitgehend so, das Selber-Denken kann man sich da sparen. Und meine Befürchtung geht dahin, dass das auch auf weitere Bereiche übergreifen wird. Siehe “wir bilden deine Meinung!”
Und dann ist eine Gesellschaft ebenso aus den Fugen geraten, denn da wo das Denken von anderen übernommen wird, ist es meiner Meinung nach nicht mehr lebenswert.
ad “Ideologie”
Damit meinte ich die Orientierung an einem nicht wandelbaren Dogma. Wer kritisch absolute Wahrheiten hinterfragt, ist kein Ideologe. Wer fähig ist, durch Rezeption und Reflektion von neuen Dingen seine eigene Meinung zu überdenken und sich sozusagen neu erfindet, sitzt auf keiner eigenen Ideologie auf. Deshalb – eigene Meinung ja, aber sie muss wirklich die eigene sein und darf nicht durch Kirche, Partei, Medien und Staat vorgegeben und unumstößlich sein.
“Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen” – ein Satz der aktueller ist denn je und den man förmlich hinausschreien muss in eine Welt, die sich einfach zu bequem dazu geworden ist, selbst zu denken!