Und führe mich nicht in Versuchung…
Jerseyville, USA: Ein 17-Jähriger schlendert mit einer Bibel und einem mobilen Haustelefon bewaffnet die Straße entlang. Der junge Roger Holyfield, nicht verwandt oder verschwägert mit dem Schwergewichtsboxer, dem einst Mike Tyson ein Ohr abbiss – er ist, wie Freunde ihn beschreiben, ein wenig geistig verwirrt. Ist er sogar geisteskrank?! An diesem Tag schlendert er die South State Street entlang, ausgestattet mit eben jenen beiden Utensilien und ruft – oder schreit er? – nach Jesus.
Herr, hat er sich vielleicht gedacht, schmeiß Hirn vom Himmel? Wer weiß das schon so genau. Es reicht, um die Jerseyville-Polizei in Bereitschaft zu versetzen. Zwei Beamte wollen, so heißt es, den Jungen beruhigen, dabei eskaliert die Situation. Die Polizisten machen von so genannten Taser-Waffen Gebrauch. Zwei Mal feuert einer der Streifenpolizisten die Waffe ab. Zwei Mal jagen 50.000 Volt Strom durch den Körper des 17-jährigen Holyfield.
…
Im Krankenhaus stirbt er. Eine scheinbar harmlose Situation ist außer Kontrolle geraten. Wieder hat ein Mensch, in diesem Fall der Polizeibeamte, der den Taser abfeuerte, das Leben eines anderen Menschen auf dem Gewissen. Der Fall hat eine offenbar bereits vorhandene Diskussion um den Gebrauch solcher, den Feind lähmenden oder betäubenden, ihn außer Gefecht setzen sollenden Waffen verschärft, wie bei STL today nachzulesen ist (engl.). Es stirbt ein Unschuldiger. — Unklar ist lediglich, ob in diesem Fall fahrlässige Tötung vorliegt. Darüber wird noch entschieden (gestritten).
Vielleicht hat wenig psychologisches Feingefühl ausgereicht, um einen zwar geistig verwirrten, ansonsten aber eher harmlosen, Jungen in Rage zu bringen. Und offensichtlich scheinen zwei Beamte mit einem unbewaffneten 17-Jährigen dermaßen überfordert gewesen zu sein, dass die Verwendung der Betäubungswaffe als Ausweg helfen sollte. Statt sensible Samthandschuhe überzustreifen, wählte man den einfachen Weg?!
Offensichtlich scheinen Eltern manchmal mit ihren Kindern überfordert, so dass sie sie zum Beispiel unter ein Auto legen und sie ihrem Schicksal übergeben.
…
Nur einen Tag später stirbt das Kind, das die Mutter tags zuvor ausgesetzt hatte, im Krankenhaus. — Die beschriebenen Situationen: Akte der Willkür, in jedem der Fälle, und oft und eigentlich überall wo man hinsieht, oder auch wegsieht. In Kulturgesellschaften wird die Abschaffung oder ein Verbot von Killerspielen gefordert. Ein Akt der Willkür. Liegt der Grund in der Überforderung der Verantwortlichen?! Überall und nirgends wird weggesehen, weggehört, am Ende wollen alle klug sein. Die Gründe für solche Willkürhandlungen von Menschen sind recht schnell durchschaubar. Der Schwarze Peter allerdings wird immer woanders gesucht.
