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Erst das und dann auch noch einseitige Berichterstattung

Die Macher der Seite DWDL.de geben ihrem Internetauftritt im Untertitel selbst den Namen Das Medienmagazin. Sicherlich sind eine Vielzahl der Informationen gut aufbereitet, aber an manchen Ecken und Enden lässt es doch mit den journalistischen Tugenden zu wünschen übrig. Zudem mangelt es manchmal auch an ein wenig Weitblick.

Screenshot der DWDL-Seiten mit LeserbrieflogoWas in regelmäßig erscheinenden Print-Publikationen gut ist, kann für ein Onlinemagazin nicht schlecht sein, oder?! Sicherlich könnte man so argumentieren. DWDL verfügt über eine gesonderte Unterseite, die sich den dilettantischen kritischen Einsendungen ihrer Leser annimmt. Einen Gutteil dieser Aussage muss ich aber im Handumdrehen revidieren, und ich tu’ es gerne. Allerorten finden sich in gedruckten Wochenblättern, monatlich herausgegebenen Zeitschriften und Magazinen – ja sogar in der Tagespresse finden sich Leserbriefe, und mit Sicherheit ist DWDL nicht das einzige Format, das seinen Lesern ein derartiges Forum bietet.

Weitblick? – Fehlanzeige!

Wenig einfallsreich mutet das Logo an, das in der oberen Ecke der Leserbriefsektion von DWDL prangt. Ein Clipart-Megaphon vor einem Matterhorn-Abbild?! Damit jedoch nicht genug: In vielen Publikationen bleiben Leserbriefe häufig unbeantwortet. Die Redaktion behält sich jedoch vor, bei aufkommenden Fragen, oder besonders kontroversen Inhalten Stellung zu nehmen. In den meisten Fällen jedoch sprechen die Einsendungen für sich. Dies liegt zu großen Teilen an der Vorauswahl, die von den Redakteuren in solchen Fällen getroffen wird.

Screenshot der DWDL-Seiten mit Leserbriefen

Der Bildausschnitt belegt, die Sinnlosigkeit einer Leserbriefecke, wenn eine derartige Auswahl getroffen wird. Offensichtlich nimmt man sich bei DWDL nicht die Zeit, die Leserbriefe großartig auf ihren Inhalt zu prüfen. Gehaltvollere Beiträge scheinen durch einen Layoutfilter ausgesiebt zu werden. Was nicht passt, wird auch nicht passend gemacht. Wie auf den Leserbriefseiten gut zu erkennen ist, haben die dortigen Einträge alle in etwa den gleichen Umfang an Zeichen. Das mag für die Gestaltung und Einbindung (beschleunigend) hilfreich wirken, auf den geneigten Leser wirkt es befremdlich.

In der Kürze liegt offensichtlich die Würze – wenn man sich seitens DWDL wenigstens die Zeit nähme, den Gehalt der Einsendungen auf seinen etwaigen Nutzen hin zu überprüfen. Die zwei Leserbriefe im Bildausschnitt oben belegen jedoch das Gegenteil. Zunächst führen einige Sätze den Leser in den Kontext ein. Sie nehmen Bezug auf das Thema desjenigen Artikels zu dem in der Folge Leser Stellung nehmen.

Besonders abstrus wirkt es da, wenn es heißt:

Auch einige DWDL-Leser hatten dazu etwas zu sagen.

Denn der erste Leserbrief ist nicht vielmehr als eine Anhäufung von Fragen. Sicherlich nicht unnütz, doch bleiben sie unbeantwortet. Fragen, die der Autor des Leserbriefes mit Glück, als Einziger, von dem Redakteur des Artikels via Email beantwortet bekam. Gesetzt den Fall, dass dieser sich die Zeit nahm, darauf zu reagieren. Aus eigener Erfahrung weiß ich jedoch, dass man auf seine Reaktionen durchaus auch mal ein Ausbleiben einer Antwort von den Mitarbeitern des Medienmagazins erwarten darf.

Nicht viel mehr Geschick bewies die auswählende Hand bei dem zweiten Leserbrief, den wir in unserem Bildausschnitt zeigen. Schreibt doch ein 55-jähriger Leser aus Augsburg, dass Premiere “Millionen” von Kunden kündigen würden, nun da man die Übertragungsrechte an der Fußball Bundesliga verlor. Vielleicht hatte der Leser auch nur so viel Glück, weil sich in diesem Fall die Kompetenz des verantwortlichen Redakteurs mit seiner eigenen deckte. Der Satz an der Stelle des Leserbriefs war grammatikalisch vollkommen in Ordnung, seine Aussage jedoch beinahe nicht mehr richtig, auf alle Fälle aber mehr als unwahrscheinlich. Da Premiere über nicht viel mehr als 2,7 Millionen zahlende Kunden verfügt, dürfte der Einsender des Leserbriefs mindestens 2 Millionen Kunden gemeint haben. Mehr aber auch nicht. Ob dieser Augsburger sich bewusst war, dass er gerade so noch einen Satz mit positivem Wahrheitsgehalt produziert hatte?! Ich bezweifle es stark. Doch sind wir noch nicht am Ende der Kritik angelangt.

Einseitige Berichterstattung

Screenshot der DWDL-Seiten mit Artikel über enttäuschenden Start von Premiere HD(TV).Mit Sicherheit ist es (k)ein Kavalierstdelikt, wenn man Meinung manipuliert macht. Im Fall von Mohammed-Karrikaturen oder einem schwelenden Atomkonflikt des Westens mit dem Iran, wird deutlich wie problematisch einseitige Berichterstattung sein kann, wenn ihre Früchte in die falschen Hände geraten. Als Leser beruft man sich auf Presseorgane. Sie sind es, die für Objektivität und kritische Berichterstattung einstehen. Sie sind es auch, die vom Verlust der Glaubwürdigkeit der Politik profitieren. Die einzige Bastion, auf die man sich in Zeiten von Wankelmut und Opportunismus noch beziehen kann. Die Presse, der Fels in der Brandung.

Wer das Kleingedruckte und das Randseitige liest, der kann im Blätterwald der heutigen Presse immernoch ein halbwegs objektives Bild gezeichnet sehen. Als Journalist sollte man sich fragen, was die eigenen Zeilen für Auswirkungen haben, ehe man einen Artikel freigibt. Meiner Meinung nach handeln viele Journalisten zu fahrlässig, weil sie sich darauf berufen, sie müssten es so tun. Ihnen bliebe keine andere Wahl, sagen sie. Heute muss man um seine Leser kämpfen. Falsch ist diese Aussage bestimmt nicht. Aber, ist der Leser erst ein Mal dahinter gestiegen, wie wenig verlässlich die Informationsquelle ist, auf die er sich beruft, wird er sich von ihr abwenden. Dies geschieht jedenfalls in Sphären, da die Leser bereits im Vorfeld ernst nehmen, was sie auf den Seiten erwarten, die sie zur Lektüre heranziehen. Anders ist das mit Sicherheit bei den Publikationen, von denen vorab bereits bekannt ist, dass sie nur viel heiße Luft produzieren. Entscheidungsträger, und auf die kommt es ja schlussendlich an, lassen sich davon nicht irritieren. Es lässt sie eher darüber spötteln und die Mundwinkel zu einem Grinsen verziehen, mit welchen reisserischen, fettgedruckten Schlagzeilen dort sinnfreie Texte am laufenden Band produziert werden.

Was hat das mit DWDL zu tun? War diese Vorrede nötig? Nun, sie hat einen Kontext geschaffen, der hilft, das folgende zu verstehen. DWDL berichtete über den enttäuschenden Einstieg Premieres in die Ära der HDTV (High Definition Television) Technik. Der verantwortliche Redakteur skizzierte den Weg, von der ersten Ankündigung auf der Internationalen Funkausstellung bis zum ersten Sendebetrieb, der mangels fehlender Hardware (Empfangsgeräte) von Premiere einige Male nach hinten verschoben wurde. Den ersten Sendebetrieb, so der DWDL-Redakteur, tarnte man als Testbetrieb.

Dass Premiere auf die Lieferung von Endgeräten angewiesen ist, und die Hersteller solcher HDTV-Receiver mit ihrer Produktion nicht rechtzeitig fertig wurden, muss man nicht – fahrlässig, in meinen Augen – einseitig dem Pay-TV-Anbieter anlasten. Es folgte der Hinweis auf das maue Angebot, das sich in den bislang drei HDTV-Kanälen tummele. Es folgte die Kritik an wenig abwechslungsreichen Wiederholungen, die nicht zur Erquickung der Zuschauer dienen könnten. Und schließlich folgte das ernüchternde Fazit, wie wenig Kunden von dem Angebot bislang Gebrauch machen würden. Alles zum Teil nicht unberechtigte Kritik, immer aber zu einseitig.

Auf einen Leserbrief bekam ich bislang keine Antwort, in dem ich dem Redakteur selbiges schilderte, ihm in manchen Punkten Recht gab. Vielleicht waren es gerade die Punkte der Kritik, die dazu führten, dass ich keine Antworten erwarten darf?! Vielleicht schickt es sich nicht, solchen Leuten zu antworten. Solchen Leuten, die zurecht darauf hinweisen, dass auch andere Sender (z. B. ProSieben, öffentlich-rechtliches Fernsehen) HDTV-Signale ausstrahlen würden, man darüber jedoch kein Wort verlor. Es wäre vielleicht fairer gewesen, den Kontext zu erweitern, die eigenen Leser darüber in Kenntnis zu setzen, dass auch andere Sendeanstalten nicht wirklich viel zu bieten haben in Sachen HDTV.

Es sei gesagt, dass der Redakteur ebenfalls auf die Preisgestaltung seitens Premiere einging, und von mir in diesem Punkt Zustimmung erwarten konnte. Doch dies gilt prinzipiell für alle Anbieter von HDTV-Programm(en) in Deutschland. Ich wies in meinem Leserbrief – offenbar umsonst – daraufhin, dass die Preise für die nötigen Empfangsgeräte um ein Deutliches höher liegen, als noch zu Zeiten, da es darum ging z. B. von S/W auf Farbfernsehen umzusteigen, geschweige denn von 4:3-Kisten auf 16:9-Modelle mit 100Hz-Technik. Wir erleben in diesem Sektor, wie auch im Bereich von Videospielkonsolen, eine Preistreiberei sondergleichen.

Eine einzige Beurteilung eines ehemaligen Deutsche Bank-Managers machte die Visionen Leo Kirchs zunichte. So lässt es sich formulieren, wenn man genug Empathie mitbringt. Das Weglassen oder Hinzufügen von Wörtern in der Berichterstattung hat bisweilen genauso viel Gewicht an den Tag gelegt (s. o.), und gezeigt wohin quotenträchtiger Journalismus (auch) führen kann. Als Leser des Medienmagzins haben mich diese Erfahrungen irritiert. Ich werde in Zukunft noch genauer hinsehen, und wenn es so weit kommen muss, auch von meinem Recht Gebrauch machen, meine Informationen nicht mehr von dort zu beziehen. Nur von dort habe ich sie bislang sowieso nicht bezogen, doch ist es immer schade, wenn sich eine verlässlich gedachte Quelle als eher unzuverlässig outet.

Ein Gedanke zu “Erst das und dann auch noch einseitige Berichterstattung

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