Ein Kommentar zur GamesCom 2010

Gina-Lisa LohfinkGina-Lisa Lohfink - GamesCom 2010, Foto: Frederic Schneider

Trotz neuer Besucherrekorde und begeisterungsfähigen Messebesuchern auf der Kölner Spielemesse gamescom zeigt sich: Die Branche tritt auf der Stelle. Ihr fehlt der Hang zum Neuen.

Die Messe startet für das Publikum in wenigen Minuten. Plötzlich wird es ganz laut. Junge Menschen stehen am anderen Ende einer Verbindungsröhre zwischen der leeren Halle 10 und der “Online World” in Halle 9, sie warten auf den Einlass um 10 Uhr. Lautes Gegröle. Einige durchdringen die temporäre Absperrung der Sicherheitsfirma und rennen in die Halle 9. Das Sicherheitskonzept hat an dieser Stelle versagt.

Die gamescom lebt von ihren Messebesuchern. Es sind sie, die an den Ständen stehen und für einige Mousepads oder Schlüsselanhänger fast alles tun. Laute Musik, ein stimmgewaltiger Moderator und Lichtspiele: das scheint das Erfolgskonzept eines erfolgreichen Standes auf der Kölner Spielemesse zu sein. Die Hardware-Hersteller Razer oder Roccat scheinen sich nicht anders zu helfen wissen, um auf ihre Nischen-Produkte aufmerksam zu machen.

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Das andere Extrem sind die Stände in Halle 6 gegenüber. Hier stehen die Besucher stundenlang an, um zehn Minuten einen Blick auf das neue World of WarCraft oder den dritten Teil von Diablo werfen zu dürfen. Wartezeiten von zwei Stunden waren das Minimum, es sollen am Samstag bis zu sechs gewesen sein. Langeweile macht erfinderisch: So sitzen einige Spieler auf dem Boden und spielen ganz klassisch Karten. „Spieletipps“, ein Online-Spielemagazin, hatte eine ganz andere Idee: Wer sein Hemd auszieht und einmal um den Blizzard-Stand rennt, bekommt ein VIP-Ticket und kann sich so die Stunden sparen.

Weniger Interesse hatten die Besucher an den neuen Bewegungstechniken von Microsoft und Sony. Microsoft bewirbt “Kinect for Xbox 360″, ein mit Sensoren funktionierendes System, das vor allem die “Casual Gamer”, die Gelegenheitsspieler wie Familien, ansprechen soll. Wirklich innovativ ist das System in Zeiten von Nintendos Wii, das zudem deutlich preiswerter ist, jedoch auch nicht. Der Spieleindustrie fehlt weiterhin der Mumm, Neuartiges zu produzieren. Call of Duty, FIFA, Guild Wars oder Need for Speed – alles in der Branche bekannte Namen, für die auf der gamescom lediglich weiterentwickelte Fortsetzungen inszeniert wurden.

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Der einzige Hoffnungsschimmer ist ein “neues” Medium: die Browserspiele. Obwohl schon 2009 angekündigt, könnte Poisonville von BigPoint eine neue Generation einläuten. Das Unternehmen bringt eine detailliert entwickelte Grafik auf den Internet-Browser. Mit dem aktuellen September-Playmate Bernadette Kaspar hat BigPoint zudem eine gamerfreundliches Gesicht gefunden, mit dem geworben werden kann. Allerdings war hier auch das Interesse nur meist dann am Größten, wenn Bernadette Kaspar zu ihrer Autogrammstunde am Poisonville-Stand in Halle 9 rief.

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